In ChatGPT lassen sich Anzeigen schalten: als Karte mit Überschrift, Text, Bild und Zielseite, mitten in der Antwort. Gesteuert wird nicht über Keywords, sondern über beschreibende Kontexthinweise; abgerechnet wird je nach Kampagnenziel pro Einblendung oder pro Klick. Und es gibt drei Einschränkungen, die für deutsche Shops wirklich zählen: kein Agenturkonto, kein Retargeting im EWR, keine veröffentlichten Vergleichszahlen. Alles Folgende stammt aus OpenAIs eigener Dokumentation, abgerufen am 22.09.2026 — der Kanal ist ausdrücklich Beta und ändert sich laufend.
Das Format ist eine Karte, kein Textlink
Es gibt zwei Creative-Typen. Die Chat-Karte (chat_card) ist der Normalfall: Überschrift, Fließtext, Bild, Ziel-URL, optional eine Preisangabe. Die Produktanzeige (product_ad_template) bezieht Bild und Ziel-URL aus einem hinterlegten Produktfeed; pro Feed-Anzeigengruppe ist davon höchstens eine aktive Vorlage zulässig.
Der Aufbau darüber ist der, den du von Meta oder Google kennst: Werbekonto, darunter Kampagnen, darunter Anzeigengruppen, darunter Anzeigen. Das Ziel und das Budget hängen an der Kampagne, Gebot und Kontexthinweise an der Anzeigengruppe, das Creative an der Anzeige.
Die Feldgrenzen sind der Punkt, an dem die meisten Entwürfe scheitern, bevor sie überhaupt in die Prüfung gehen:
| Feld | Grenze | Pflicht |
|---|---|---|
Überschrift (title) | 3 bis 50 Zeichen | ja |
Text (body) | höchstens 100 Zeichen | ja |
| Bild | mindestens 640 × 640 Pixel; im Ads Manager quadratisch, PNG oder JPG, höchstens 1.200 × 1.200 Pixel | ja bei der Chat-Karte |
| Ziel-URL | erreichbar, darf OAI-AdsBot und OAI-SearchBot nicht blockieren | ja bei der Chat-Karte |
| Preis | freies Textfeld oder aus dem Produktdatensatz | nein |
| Anzeigenname (intern) | 3 bis 1.000 Zeichen, für Nutzer unsichtbar | ja |
| Markenlogo des Kontos | mindestens 128 × 128 Pixel, mit eigener Markenprüfung — OpenAIs Kontoverwaltungs-Doku nennt an anderer Stelle 256 × 256, im Zweifel die größere Variante hochladen | ja, einmal je Konto |
50 und 100 Zeichen sind deutlich weniger, als Werbetexte auf anderen Kanälen gewohnt sind. Für die Produktion heißt das: Nicht der eine perfekte Satz entscheidet, sondern die Menge sauber unterschiedlicher Sätze. OpenAI formuliert das in den eigenen Hinweisen selbst so — viele Varianten je Angebot, und jede Variante ein anderer Winkel, nicht dieselbe Aussage umformuliert. Das ist dieselbe Logik, nach der wir Anzeigen ohnehin produzieren; wie das im Ablauf aussieht, steht in Creatives in Wellen testen.
Gesteuert wird über Kontexthinweise, nicht über Keywords
Der größte Unterschied zu allem, was du an Suchwerbung kennst: Es gibt keine Keywords und keine Match Types. Stattdessen hinterlegst du auf Ebene der Anzeigengruppe Kontexthinweise — freie Sätze, die beschreiben, wann dein Angebot passt. OpenAIs eigenes Beispiel: „cushioned everyday running shoes for beginners training for their first 5K” sagt mehr als „running shoes”.
Und OpenAI ist dabei auffallend deutlich: Kontexthinweise beeinflussen die Relevanz, sie sind keine Exact-Match-Keywords, keine Targeting-Regeln und garantieren keine Auslieferung für bestimmte Gespräche oder Zielgruppen. Wer eine Zusage über konkrete Suchanfragen erwartet, erwartet etwas, das es auf diesem Kanal nicht gibt. Wie weit das von Keywords, Keyword-Optionen und Suchbegriffsbericht bei Google entfernt ist, steht in ChatGPT Ads vs. Google Ads.
Auf diesem Kanal steuerst du über den Text, nicht über die Zielgruppe. Was du hart einstellst, sind Länder, Plattformen, Zeitraum, Budget und Gebot. Alles Inhaltliche — wofür dein Angebot gut ist und für wen — beschreibst du und gibst es ab.
Fest einstellbar ist trotzdem mehr, als oft behauptet wird. Länder gehören zur Kampagne; außerhalb von Produktfeed-Kampagnen sind zusätzlich Regionen, Städte, Märkte und Postleitzahlen möglich, soweit sie im jeweiligen Land angeboten werden. Neue Produktfeed-Kampagnen dagegen können nur noch auf Länderebene steuern. Plattformen lassen sich ebenfalls eingrenzen: Android-App, Android-Web, Desktop-Web, iOS-App und iOS-Web, und in der Auswertung sind dieselben fünf Plattformen einzeln aufgeschlüsselt (so im Ads Manager; die API kennt an dieser Stelle drei Gruppen — iOS-App, Android-App und Web).
Drei Ziele, drei Abrechnungsarten
Das Kampagnenziel legt zugleich fest, wofür du bezahlst:
| Ziel | Abrechnung | Wofür gedacht |
|---|---|---|
| Views | CPM — je 1.000 ausgelieferte Einblendungen | Sichtbarkeit |
| Clicks | CPC — je gültigem Klick | Menschen auf die Seite bringen |
| Conversions | oCPC (je gültigem Klick) oder oCPM (je 1.000 Einblendungen) | Optimierung auf ein Standard-Ereignis |
Der Satz, den man vorher hören sollte: Bei Conversion-Kampagnen zahlst du nicht pro Conversion. Optimiert wird auf das Ereignis, abgerechnet wird nach Klick oder nach Einblendung. oCPM bezieht dabei auch Conversions ein, die nach einer reinen Einblendung folgen; oCPC zählt, was nach einem Klick passiert.
Zwei Dinge sind nach dem Anlegen endgültig: das Ziel samt Abrechnungsmodell und bei Conversion-Kampagnen das gewählte Conversion-Ereignis. Willst du etwas anderes, legst du eine neue Kampagne an. Beim Budget gilt das teilweise ebenso — der Wechsel von einem Gesamtbudget auf ein Tagesbudget lässt sich nicht zurücknehmen. Welche Beträge dahinterstehen — Mindest-Tagesbudget, Budgetwoche, Bid Cap —, rechnet Was kosten ChatGPT Ads? durch.
Für die Messung stehen ein JavaScript-Pixel und eine serverseitige Conversions API zur Verfügung, beide kombinierbar — handwerklich dasselbe Muster wie Pixel und Conversions API bei Meta. Als Optimierungsziel zugelassen sind nur unterstützte Standard-Ereignisse; eigene Conversion-Ereignisse kann eine Conversion-Kampagne derzeit nicht ansteuern.
Was im EWR fehlt
Hier liegen die Punkte, die ein Angebot kippen können, wenn sie erst nach Vertragsschluss auffallen.
Custom Audiences. OpenAI schreibt für Kampagnen mit Ziel EWR oder Schweiz wörtlich, man solle Custom Audiences meiden, solange die Werbepersonalisierung dort nicht verfügbar ist. Einschluss-Targeting bräuchte ohnehin mindestens 25.000 gematchte Nutzer. Für deutsche Shops heißt das: kein Retargeting, keine Lookalikes, keine Wiederansprache von Warenkorbabbrechern über diesen Kanal.
Internationale Ausspielung. Manche neuen Self-Service-Konten dürfen zunächst nur im eigenen Land werben. Andere Länder werden erst frei, wenn die Identitätsprüfung durch ist und im Heimatland eine gewisse Ausgabenhöhe erreicht wurde. Eine Kampagne anzulegen oder ein Budget zu setzen reicht dafür ausdrücklich nicht. Welche Summe gemeint ist, nennt OpenAI nicht.
Vergleichszahlen. Es gibt keine. OpenAI schreibt selbst, dass es für ChatGPT Ads bislang keine Performance-Benchmarks über Werbetreibende, Branchen oder Kampagnentypen hinweg gibt. Jede CPC-, CPM- oder ROAS-Zahl, die dir für diesen Kanal genannt wird, hat entweder keine Quelle oder stammt aus einem einzelnen fremden Konto. Wie man mit genau dieser Art von Unschärfe umgeht, ohne sich etwas vorzumachen, steht in In KI-Antworten vorkommen — dort geht es um die organische Seite derselben Oberfläche, hier um die bezahlte.
Das Konto gehört dem Shop — anders geht es nicht
Einen Business Manager wie bei Meta gibt es nicht. OpenAI schreibt in der eigenen Hilfe, dass weder das Onboarding einzelner Privatpersonen noch Agenturen, die im Auftrag eines Kunden Werbekonten anlegen, unterstützt werden; eine Agentur kann erst eingeladen werden, nachdem der Kunde sein Konto erstellt hat. Der Ablauf ist damit vorgegeben: Der Shop legt das Konto an, hinterlegt Zahlungsdaten, und lädt die Agentur unter Einstellungen → Nutzer → Einladen mit deren OpenAI-Anmeldeadresse ein. Auch unsere ChatGPT-Ads-Betreuung läuft deshalb so: Das Konto bleibt beim Shop, wir arbeiten darin als eingeladener Nutzer.
Drei Punkte, die man beim Anlegen nicht falsch machen sollte, weil sie sich später nicht korrigieren lassen: Land, Währung und Zeitzone sind endgültig. Ist eines davon falsch, hilft nur ein neues Konto. Und es gibt eine Obergrenze: Wer 10 oder mehr Werbekonten angehört, kann selbst kein weiteres mehr anlegen — eingeladen werden geht weiterhin.
Zwischen „angelegt” und „wird ausgeliefert”
Zwischen dem fertigen Entwurf und der ersten Einblendung stehen mehrere Prüfungen, und jede kann eine Kampagne stillstehen lassen, die im Interface auf „aktiv” steht:
- Anzeigenprüfung. Jede Anzeige geht in Review und trägt danach
approved,in_reviewoderrejected. Abgelehnt wird unter anderem, wenn Anzeige und Zielseite nicht zusammenpassen. - Kontoprüfung und Markenprüfung. Ohne abgeschlossene Verifizierung und ohne freigegebenes Markenlogo läuft nichts.
- Zahlungsart. Fehlt oder scheitert sie, liefert die Kampagne nicht aus.
- Erreichbarkeit der Zielseite. Blockiert deine
robots.txtoder eine FirewallOAI-AdsBotoderOAI-SearchBot, wird die Anzeige abgelehnt. Das ist der Prüfpunkt, den Shops am häufigsten übersehen. - Budgetmechanik. Bei einem Tagesbudget gilt an einem Tag höchstens das Doppelte, in der Woche von Sonntag bis Samstag höchstens das Siebenfache. Ist das Wochenkontingent früh aufgebraucht, steht die Kampagne bis zur nächsten Budgetwoche.
Dazu eine Eigenheit der Auswertung: Einblendungen, Klicks und Klickrate erscheinen im Ads Manager binnen Minuten, die Ausgaben können nachlaufen — laut OpenAI kann das Reporting der Auslieferung um bis zu sieben Stunden hinterherhängen. Eine Null bei den Ausgaben bedeutet deshalb nicht, dass nichts abgerechnet wurde.
Wofür sich das heute eignet
Nüchtern zusammengefasst: Der Kanal ist buchbar, die Mechanik ist dokumentiert, und die Werkzeuge für Messung und Steuerung sind vorhanden. Was fehlt, sind Vergleichswerte, Wiederansprache im EWR und jede Form von Erfahrungswert, der älter ist als wenige Monate. Wer einsteigt, kauft eine junge Werbefläche mit dokumentierten Regeln und ohne Erfahrungswerte — das ist eine vertretbare Wette, solange sie als Wette behandelt wird und nicht als Ersatz für einen Kanal, der bereits trägt.
Praktisch heißt das: klein starten, Messung von Anfang an sauber aufsetzen, und die eigenen ersten Zahlen als das behandeln, was sie sind — der einzige belastbare Maßstab, den es auf diesem Kanal derzeit gibt.
Häufige Fragen
Kann man in Deutschland ChatGPT Ads schalten?
Ja. OpenAIs eigene Länderliste führt Deutschland am 22.09.2026 als „Available" für den Self-Service-Zugang, ebenso Österreich und die Schweiz. Bedingung ist, dass die Firma, die wirbt und bezahlt wird, in einem verfügbaren Land sitzt. Ein Werbekonto lässt sich über ads.openai.com anlegen, eine Warteliste gibt es dafür nicht.
Wie lang darf eine ChatGPT-Anzeige sein?
Die Überschrift hat 3 bis 50 Zeichen, der Text höchstens 100 Zeichen. Beides steht in OpenAIs Entwickler-Referenz und wird beim Anlegen geprüft. Das Bild muss mindestens 640 × 640 Pixel groß sein; für den Upload im Ads Manager nennt OpenAI quadratische PNG- oder JPG-Dateien bis 1.200 × 1.200 Pixel.
Kann man bei ChatGPT Ads Keywords buchen?
Nein. Statt Keywords gibt es Kontexthinweise auf Ebene der Anzeigengruppe — freie Sätze, die beschreiben, wofür dein Angebot gut ist und für wen. OpenAI schreibt ausdrücklich, dass sie keine Exact-Match-Keywords und keine Targeting-Regeln sind und keine Auslieferung garantieren. Fest einstellbar sind dagegen Länder, Plattformen, Zeitraum, Budget und Gebot.
Geht Retargeting mit ChatGPT Ads in Deutschland?
Praktisch nein. OpenAI rät für Kampagnen mit Ziel EWR oder Schweiz davon ab, Custom Audiences zu verwenden, solange die Werbepersonalisierung dort nicht verfügbar ist. Für Einschluss-Targeting bräuchte es außerdem mindestens 25.000 gematchte Nutzer. Wiederansprache und Lookalikes gehören auf diesem Kanal derzeit nicht in die Planung.
Kann eine Agentur ein ChatGPT-Werbekonto für mich anlegen?
Nein. OpenAI schreibt wörtlich, dass Agenturen keine Werbekonten im Auftrag von Kunden anlegen können — eine Agentur kann erst eingeladen werden, nachdem der Kunde sein Konto selbst erstellt hat. Die Einladung läuft über Einstellungen, Nutzer, Einladen, mit der E-Mail-Adresse, mit der sich die Agentur bei OpenAI anmeldet.