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In KI-Antworten vorkommen: was belegbar wirkt und was nicht

Immer mehr Kaufrecherchen beginnen nicht mehr bei zehn blauen Links, sondern bei einer Antwort. In dieser Antwort stehen drei, vier Marken — wer nicht dabei ist, kommt in der Recherche schlicht nicht vor. Die gute Nachricht: Die Hebel dafür sind weniger exotisch, als die Branche gerade tut. Der stärkste belegte Faktor ist klassisches Ranking, und ein spürbarer Teil der aktuell als „GEO” verkauften Maßnahmen hält einer Überprüfung nicht stand.

Zuerst prüfen, ob die Maschinen überhaupt reinkommen

Bevor irgendetwas optimiert wird, gilt es zwei Sperren auszuschließen. Beide kosten je eine Viertelstunde Prüfung, und beide sind häufiger der Grund für Unsichtbarkeit als jede inhaltliche Schwäche.

Die erste ist client-seitiges JavaScript. Die Crawler der Antwortmaschinen — OAI-SearchBot, PerplexityBot, Claude-SearchBot — rendern es nicht. Googles KI-Antworten sind hier die Ausnahme, weil sie auf dem Suchindex aufsetzen und Googlebot rendert; für alles außerhalb von Google existiert nur, was im ausgelieferten HTML steht. Ein Shop, dessen Produkttexte per JavaScript nachgeladen werden, ist für eine Antwortmaschine eine weitgehend leere Seite — unabhängig davon, wie gut die Texte sind.

Die zweite ist die robots.txt. Wer OAI-SearchBot, PerplexityBot oder Claude-SearchBot aussperrt, erscheint in deren Antworten nicht. Das passiert selten absichtlich und oft als Kollateralschaden: Jemand wollte verhindern, dass mit den eigenen Inhalten trainiert wird, hat pauschal alles gesperrt, was nach KI aussah — und damit auch die Systeme ausgeschlossen, die Kundschaft hätten schicken können.

Trainings-Crawler und Such-Crawler sind zwei verschiedene Dinge. Trainings-Crawler auszusperren ist eine legitime Geschäftsentscheidung. Such-Crawler auszusperren heißt: nicht mehr in den Antworten vorkommen. Diese beiden zu verwechseln ist der teuerste Fehler in diesem Feld.

Der stärkste Hebel ist der langweiligste: normales Ranking

Ahrefs hat 4 Millionen in Googles KI-Antworten zitierte Adressen über 863.000 Suchbegriffe ausgewertet: 38 Prozent davon stehen auch organisch in den Top 10, je rund 31 Prozent auf Position 11–100 oder gar nicht in den Top 100 (Ahrefs, 2026). Eine frühere Auswertung desselben Anbieters kam auf 76 Prozent; Ahrefs führt die Differenz teils auf eine genauere Methodik, teils auf verändertes Zitierverhalten zurück. Die Richtung bleibt in beiden Fassungen dieselbe: Ranking ist der stärkste einzelne Hebel — er erklärt nur weniger, als die ältere Zahl nahelegt. Wer in KI-Antworten will, fängt trotzdem in der normalen Suche an.

Das ist unspektakulär und für viele enttäuschend, weil es bedeutet: Es gibt keine Abkürzung, die das klassische Handwerk überspringt. Wer heute nicht rankt, wird auch nicht zitiert. Die Arbeit an Seitenstruktur, Inhaltstiefe und interner Verlinkung ist damit keine Vorstufe zur KI-Sichtbarkeit, sondern ihr Hauptbestandteil.

Praktisch heißt das: Bevor Budget in spezialisierte „GEO-Maßnahmen” fließt, gehört es in die Frage, warum die eigenen Seiten für die kaufnahen Suchbegriffe nicht in den Top 10 stehen. Welche Rolle dabei die Struktur einer Seite spielt, steht ausführlicher in Was macht eine Meta-Ads-Agentur? — dort geht es zwar um Anzeigen, aber dieselbe Logik gilt: Erst das Fundament, dann die Verstärkung.

Inhalte in den Formaten, die zitiert werden

Innerhalb dessen, was rankt, werden nicht alle Inhalte gleich häufig zitiert. Deutlich bevorzugt werden:

  • Vergleiche. „A oder B, und wann welches” ist die Form, in der eine Antwortmaschine eine Empfehlung bauen kann, ohne selbst zu werten.
  • Listen mit klarer Struktur. Eine Antwort, die in einem Absatz vollständig ist, lässt sich zitieren. Ein Gedanke, der über fünf Absätze reift, nicht.
  • Eigene Zahlen. Eine selbst erhobene Zahl ist der stärkste Einzelhebel — und der einzige, den ein Wettbewerber nicht kopieren kann. Fremde Durchschnittswerte stehen dagegen auf hunderten Seiten gleichzeitig; es gibt keinen Grund, ausgerechnet deine zu zitieren.

Der Grund dafür ist mechanisch und nicht geschmacklich. Eine Antwortmaschine baut ihre Ausgabe aus Textabschnitten, die sie einzeln bewertet. Ein Abschnitt, der für sich genommen eine vollständige Aussage enthält, kann übernommen werden; ein Abschnitt, der seinen Sinn erst aus den drei vorherigen bezieht, kann es nicht. Das erklärt auch, warum ausgerechnet der eingängige Erzählbogen, den man im Marketing gelernt hat, hier gegen einen arbeitet: Er verteilt die Aussage über mehrere Absätze und macht damit jeden einzelnen unzitierbar.

Der praktische Griff dahinter ist unspektakulär: Jede Überschrift stellt eine Frage, und der erste Absatz darunter beantwortet sie vollständig. Alles Weitere ist Begründung. Diese Reihenfolge ist für menschliche Leser ohnehin die bessere und für Maschinen die einzige, die zuverlässig funktioniert.

Erwähnungen außerhalb der eigenen Seite

Über 75.000 Marken hinweg korrelieren Marken-Erwähnungen rund dreimal stärker mit KI-Nennungen als Backlinks. Wichtig dabei: Das ist eine Korrelation, keine Kausalität — die Quelle sagt das selbst dazu. Es kann ebenso gut sein, dass bekannte Marken sowohl häufiger erwähnt als auch häufiger genannt werden, ohne dass das eine das andere verursacht.

Als Arbeitsanweisung taugt der Befund trotzdem: Wo über deine Kategorie geschrieben wird, sollte dein Name vorkommen. Das sind Branchenmedien, Vergleichsportale, Foren und Fachbeiträge — und es ist mühsame, langsame Arbeit ohne Abkürzung. Wer dafür ein Werkzeug verkauft, das „Erwähnungen generiert”, verkauft in aller Regel Spam mit kurzer Halbwertszeit.

Der belegbare Kern von GEO ist klassisches SEO plus zwei Ergänzungen: Erwähnungen außerhalb der eigenen Seite und Inhalte, die sich in einem Absatz zitieren lassen. Alles, was darüber hinaus als eigene Disziplin verkauft wird, sollte eine Quelle mitbringen.

Was der Prüfung nicht standhält

Drei Dinge werden derzeit häufig verkauft und halten der Nachfrage nicht stand:

Die llms.txt. Im Mai 2026 wurden 97 Prozent aller llms.txt-Dateien kein einziges Mal abgerufen. Und von den Zugriffen, die es gab, kamen vier Fünftel nicht von KI-Systemen, sondern von SEO-Werkzeugen und allgemeinen Crawlern; die KI-Systeme, die man mit der Datei überhaupt erreichen will — die Retrieval-Bots der Antwortmaschinen — machten 1,1 Prozent aus (Ahrefs, 137.210 Domains, Mai 2026). Die Datei anzulegen kostet Minuten und schadet nicht. Sie als Leistung zu verkaufen, ist schwer zu begründen.

Ein spezielles KI-Schema. Google dokumentiert seit Mai 2025 ausdrücklich, dass es für die Aufnahme in KI-Funktionen weder eigene maschinenlesbare Dateien noch ein eigenes schema.org-Format braucht („AI features and your website”, Stand 10.12.2025). Ordentliche strukturierte Daten helfen beim Verstehen einer Seite — ein geheimes Zusatzschema existiert nicht.

Die 40-Prozent-Studie. Eine viel zitierte Untersuchung verspricht rund 40 Prozent Wirkungssteigerung durch GEO-Maßnahmen. Das ist ein Laborwert unter kontrollierten Bedingungen. Eine Übersicht über 45 Untersuchungen findet keinen stabilen Effekt in der Praxis. Die Zahl ist nicht gefälscht, sie ist nur etwas anderes, als sie im Verkaufsgespräch zu sein vorgibt.

Messen, was messbar ist

Der unangenehmste Teil zuerst: Ein vollständiges KI-Traffic-Reporting gibt es nicht. Die meisten KI-Systeme senden keinen Referrer, ihre Klicks landen in der Analyse als „Direct”. Wenn in einem Konto der Direct-Anteil wächst, ohne dass jemand erklären kann woher, ist das oft genau dieser Effekt. Wer exakte KI-Traffic-Zahlen verspricht, verspricht eine Zahl, die technisch nicht existiert.

Messbar ist trotzdem einiges:

  • Ein festes Fragen-Set. Zwanzig bis dreißig Fragen, die deine Kundschaft tatsächlich stellen würde, in regelmäßigem Abstand gegen mehrere KI-Systeme laufen lassen und protokollieren: Wirst du genannt, in welchem Zusammenhang, mit welcher Quelle. Entscheidend ist, dass Fragen und Abstand gleich bleiben — sonst misst man die Änderung der Methode statt die der Sichtbarkeit.
  • Server-Logs. Dort stehen die Zugriffe der KI-Crawler mit Namen. Das beantwortet zwar nicht, ob du genannt wurdest, aber ob du überhaupt gelesen wirst.
  • Der Generative-AI-Bericht der Search Console. Deckt nur Googles eigene Oberflächen ab, ist dafür aber die einzige Quelle, die nicht auf Schätzung beruht.

Was diese drei Quellen nicht leisten, ist eine Zuordnung von Umsatz. Es gibt keinen sauberen Weg von „ChatGPT hat uns genannt” zu „daraus wurde eine Bestellung”. Wer das trotzdem beziffert, hat es geschätzt und die Schätzung unterwegs zur Zahl erklärt. Der ehrliche Umgang damit ist, die Nennung als das zu behandeln, was sie ist: eine Sichtbarkeitskennzahl, vergleichbar mit einer Position in der Suche — ein Vorläufer von Umsatz, nicht sein Nachweis.

Diese drei zusammen ergeben kein vollständiges Bild, aber ein ehrliches. Das ist derselbe Umgang mit Kennzahlen, den wir auch bei Werbekonten empfehlen — dazu steht mehr in Was ist ein guter ROAS?.

Die Reihenfolge, die sich bewährt hat

Zusammengefasst als Abfolge, weil die Reihenfolge hier mehr entscheidet als die einzelne Maßnahme:

  1. Erreichbarkeit prüfen — JavaScript-Rendering und robots.txt. Ohne das ist alles Weitere wirkungslos.
  2. Organische Sichtbarkeit aufbauen — der mit Abstand stärkste belegte Faktor.
  3. Inhalte zitierfähig machen — Frage als Überschrift, vollständige Antwort im ersten Absatz, eigene Zahlen statt fremder Durchschnitte.
  4. Erwähnungen außerhalb der eigenen Seite — langsam, mühsam, ohne Abkürzung.
  5. Nachmessen — gleiches Fragen-Set, gleicher Abstand, protokolliert statt behauptet.

Was in dieser Liste fehlt, fehlt mit Absicht. Ein Feld, das sich schnell bewegt, produziert viele Angebote, die schneller sind als ihre Belege. Der Unterschied zwischen einer Maßnahme und einer Behauptung ist auch hier derselbe wie überall: Es gibt eine Quelle, oder es gibt keine.

Häufige Fragen

Kann man garantieren, dass ChatGPT eine Marke nennt?

Nein, und niemand kann das. Die Antwort wird bei jeder Anfrage neu erzeugt und hängt von Formulierung, Zeitpunkt, Modellversion und Quellenlage ab. Wer eine Nennung garantiert, verkauft etwas, das er nicht kontrolliert. Herstellbar sind die Voraussetzungen, messbar ist der Ist-Stand, belegbar ist die Veränderung.

Wie viel Traffic kommt aus KI-Antworten?

Das lässt sich nur teilweise beantworten. Die meisten KI-Systeme senden keinen Referrer, ihre Klicks landen in der Analyse als „Direct". Wer exakte KI-Traffic-Zahlen verspricht, verspricht eine Zahl, die technisch nicht existiert. Annäherungen liefern Server-Logs und der Generative-AI-Bericht der Search Console.

Braucht man eine llms.txt?

Vermutlich nicht. Im Mai 2026 wurden 97 Prozent aller llms.txt-Dateien kein einziges Mal abgerufen (Ahrefs, 137.210 Domains). Von den Zugriffen, die es gab, kamen vier Fünftel von SEO-Werkzeugen und allgemeinen Crawlern; die Retrieval-Bots der Antwortmaschinen machten 1,1 Prozent aus. Die Datei anzulegen kostet Minuten und schadet nicht — sie als Leistung zu verkaufen, ist schwer zu rechtfertigen.

Gibt es spezielle strukturierte Daten für KI?

Google dokumentiert seit Mai 2025 ausdrücklich, dass es dafür weder eigene maschinenlesbare Dateien noch ein eigenes Schema braucht („AI features and your website", Stand 10.12.2025). Ordentliche strukturierte Daten helfen Maschinen beim Verstehen der Seite — ein geheimes KI-Schema gibt es nicht.

Ist GEO einfach SEO mit neuem Namen?

Zu einem großen Teil ja. Der belegbare Kern ist klassische Suchmaschinenoptimierung plus zwei Dinge, die vorher weniger wichtig waren: Erwähnungen außerhalb der eigenen Seite und Inhalte, die sich in einem Absatz zitieren lassen. Eine viel zitierte Studie mit 40 Prozent Wirkungsversprechen ist ein Laborwert; eine Übersicht über 45 Untersuchungen findet keinen stabilen Effekt.

Sollte man KI-Crawler aussperren?

Das sind zwei verschiedene Bots und zwei verschiedene Entscheidungen. Trainings-Crawler auszusperren ist eine Geschäftsentscheidung, die man treffen kann. Such-Crawler auszusperren heißt: in den Antworten nicht mehr vorkommen. Diese beiden zu verwechseln ist der teuerste Fehler in diesem Feld.